Sonderweg Förderschulen: Hoher Einsatz, wenig Perspektiven

Eine Studie zu den Ausgaben und zur Wirksamkeit von Förderschulen in Deutschland
Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung

Zusammenfassung (Ausschnitte)

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Im internationalen Vergleich hat Deutschland ein so hoch differenziertes Förderschulsystem wie kein anderes Land. Im Bundesdurchschnitt werden 84,3 Prozent der Kinder mit Förderbedarf an separierenden Förderschulen unterrichtet. Die Ergebnisse nationaler wie internationaler Studien stehen im deutlichen Widerspruch zu dieser pädagogischen Praxis. Insbesondere für den Förderschwerpunkt Lernen zeigen die Studien, dass der Gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne besonderen Förderbedarf deutliche Vorteile hat: Die Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf machen bessere Lern- und Entwicklungsfortschritte, wenn sie an einer allgemeinen Schulen lernen können. Werden sie hingegen in eigens für sie geschaffenen Förderschulen unterrichtet, entwickeln sich ihre Leistungen ungünstiger, je länger sie die Förderschule besuchen. Aber auch die Schüler und Schülerinnen ohne einen besonderen Förderbedarf werden im Gemeinsamen Unterricht nicht in ihrer Leistungsentwicklung gebremst. Sie profitieren vielmehr vom Gemeinsamen Unterricht, in dem sie ein höheres Selbstwertgefühl und ein positiveres Leistungsselbstkonzept entwickeln. Angesichts dieser Befunde muss die Wirksamkeit der Förderung von Kindern in separierenden Förderschulen hinterfragt werden.
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Jahr für Jahr werden in Deutschland derzeit (2007/08) gleichwohl etwa 2,6 Milliarden Euro zusätzlich für den Unterricht an Förderschulen ausgegeben. Dabei umfasst dieser Betrag allein die Ausgaben für das lehrende Personal an Förderschulen, die über die Ausgaben hinausgehen, die an den allgemeinen Schulen für Lehrkräfte angefallen wären. Wenn diese finanziellen Mittel in ein inklusives Schulsystem mit Gemeinsamem Unterricht fließen würden, stünden je Schüler oder Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Durchschnitt aller Bundesländer und aller Förderschwerpunkte zusätzlich zu den im allgemein bildenden Schulsystem angesetzten Unterrichtsstunden 2,4 Wochenstunden zur Verfügung. Bei z.B. vier Schülern oder Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf wären dies je Klasse zusätzlich wöchentlich etwa 8 bis 10 Unterrichtsstunden. Hinzu kämen die nicht lehrenden Fachkräfte, die von den Förderschulen in die allgemeinen Schulen „mitgenommen“ werden sollten sowie Einsparungen im Bereich des Schülertransports. Eine nach Förderschwerpunkten differenzierende Betrachtung zeigt, dass im Förderschwerpunkt Lernen bundesweit etwa 0,8 Milliarden Euro und je Schülerin bzw. Schüler im Bundesdurchschnitt 1,63 Wochenstunden zusätzlich zur Verfügung stünden. In den anderen Förderschwerpunkten wären etwa 1,8 Milliarden Euro verfügbar – je Schülerin bzw. Schüler mit Förderbedarf 3,06 Wochenstunden.
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Garantiert die UN-Konvention doch jeder Schülerin und jedem Schüler mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung das Recht, gemeinsam mit Gleichaltrigen in einem inklusiven Schulsystem lernen zu können. Die bisher für separierende Förderschulen aufgewendeten Mittel sollten in ein inklusives Schulsystem investiert werden, das die Individualität und Vielfalt der Schülerinnen und Schüler wertschätzt und individuelle Förderung in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stellt.

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Zeitungsartikel zur Bertelsmann-Studie

Sonderweg in die Sackgasse [2]

ZEIT online, 16.11.2009

 

Sonderschulen -Teuer und erfolglos [3]

SPIEGEL online, 16.11.2009

 



Links in diesem Text
[1]http://www.lag-bw.de/index.php?menuid=18&
[2]http://www.zeit.de/2009/47/C-Interview-Stein
[3]http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,661095,00.html